klammer

gestern: Geschichtliches rund um den Kölner Ebertplatz

jahrestage für den 12. März :

12.03.1818 Schwimmanstalt am Rheinufer

Die erste Schwimmanstalt am Rheinufer nahe dem Thürmchen wird eröffnet. Nach der ersten Anstalt des Unternehmers Meyer 1817 vor Deutz beginnt die Ära der großen Kölner Rhein-Badeanstalten in der preußischen Zeit .
Autor:gf | modifiziert am 27.12.2002
19.11.2009

Neues rund um das Kölner Historische Archiv

Auf der Versammlung des Fördervereins stellte sich als weiteres Vorstandsmitglied die ehemalige Stadtkonservatorin Professor Dr. Hiltrud Kier zur Wahl. Sie wird innerhalb des Vorstandes für Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederwerbung zuständig sein. Vielleicht weckt Sie den Verein, der mit jetzt 351 Mitgliedern noch deutlich unter der Schwelle zur vorzeitig angekündigten "Bürgerbewegung" steht.

 Stadt-Köln: „"Freunde des Historischen Archivs" bestätigen Vorstand“ ex

In Ihrem Bericht sprach Archivleiterin Frau Schmidt-Czaia auch über den Standort für Lesesaal und Ausstellungen. Die Stadt ist in Verhandlungen über eine Immobilie am Heumarkt (südlich des Maritim Hotel), die im Mai von einer Rechtsanwaltskanzlei in Richtung Kranhaus Süd verlassen wurde. Der zuvor als Bibliothek genutzte Raum würde sich hervorragend als Ausstellungsraum, mit seiner vollverglasten Straßenfront auch als Schaufenster, nutzen lassen.

Auch mit den notwendigen Arbeits- und Lagerräumen geht es voran. Archivleiterin Frau Schmidt-Czaia erläuterte eindrucksvoll, dass ein solches Gebäude nahezu alle Bedingungen erfüllen muß, die auch für das zukünftige neue Archivgebäude gelten.

"Der Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, Engelbert Rummel, ist zuversichtlich, dass die Stadt noch in diesem Jahr den Mietvertrag über ein vorübergehendes Domizil für das Kölner Stadtarchiv abschließen kann. Es sei nicht einfach gewesen, in Köln eine geeignete Halle zu finden, die den Anforderungen zum Beispiel hinsichtlich der Klimatechnik gerecht wird. Nach Abschluss des Mietvertrages müsse das Gebäude erst noch hergerichtet werden, bevor es dann vom Archiv etwa fünf bis sechs Monate später übernommen werden könne, erklärte Rummel."

 KR: „Wie ein riesiges Puzzle“ ex

Der Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft war auch schon für das eingestürzte Archiv verantwortlich.

Autor:gf | modifiziert am 20.11.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5486.html
03.09.2009

Ein halbes Jahr nach dem Archiv-Einsturz

Am 3. März 2009 ist das Historische Archiv der Stadt Köln eingestürzt. Zwei junge Menschen im Nachbarhaus wurden in den Tod gerissen. Zeit eine subjektive Bilanz zu ziehen?

Was der interessierte Bürger gelernt hat...

... dass das Unglück die Kölner überhaupt nicht bewegt hat, wie ein Prozent mehr Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl beweist.
... dass man Verantwortung soweit delegieren kann, dass selbst bei einem GAU niemand mehr Verantwortung trägt.
... dass die Branche - Archivare und Historiker - die Betroffenheit der Bürger über das Unglück mit der eigenen Betroffenheit über die Verluste des Archivs verwechselt.
... dass die Branche - Archivare und Historiker - unter sich bleiben will.
... dass nur Professionelle - Studenten, Doktoranden, Wissenschaftler - die erwünschte Klientel eines Archivs sind.
...dass hohe Kostenschätzungen eher die Unterstützungsbereitschaft der Steuerbürger bröckeln lässt.
... dass man die Anpassung an den Stand der Technik und Möblierung unwidersprochen als "Bürgerarchiv" verkaufen kann.
... dass die im eigenen Archiv-Chaos überlebende Lesesaal-Quittung vom letzten Besuch September 2008 einen "Wert" hat.
... dass ein simpler Virus-Infekt den Besuch eines Gebäudes zum Einsturzzeitpunkt verhindern kann.

Auch auf  archivalia ex

Autor:gf | modifiziert am 11.02.2010 | http://ebertplatz.de/artikel/5361.html
07.08.2009

„Klingelpütz“ in Ossendorf kommt in die Jahre

In einem Bericht über den Zustand des Gefängnises in Ossendorf erinnert die Kölnische Rundschau an die Sprengung des legendären „Klingelpütz“ vor 40 Jahren.

Der „Klingelpütz“ war in Köln längst das Synonym für „Gefängnis“ geworden, als in Ossendorf ein Neubau errichtet wurde; damals so zeitgemäß modern, wie der Vorgänger zu seiner Bauzeit. So war es auch nicht überraschend, dass der Name „Klingelpütz“ auf den Neubau übertragen wurde.

Heute erinnert der „Klingelpützpark“ an den Standort des alten Zuchthauses.

 KR: „40 Jahre JVA Ossendorf“ ex

Autor:gf | modifiziert am 07.08.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5310.html
08.07.2009

Brauche ich ein neues Historisches Archiv?

Nachdem der Chronist von den 2 Euro pro selbstgemachten Foto im Lesesaal erfahren hatte, hatte er auf die Ausleihe verzichtet und sich auf die Auswertung der Adressbücher verlegt. Genug Material, um für einige Wochen beschäftigt zu sein. Sie ahnen es schon: Der Chronist verdient damit nicht sein Geld.

Seit dem Einsturz des Historischen Archivs forsche ich nun in der Wirtschafts-Bibliothek der IHK-Köln unter vergleichsweise luxuriösen Bedingungen weiter: Modernes Lesegerät mit problemloser direkter Kopiermöglichkeit; Mehrere Objektive stehen zur Auswahl; Neben dem Gerät steht mir ein ganzer Tisch zur Verfügung; Der Arbeitsplatz befindet sich am hellen Eingangsbreich. Die Benutzung ist kostenlos. Die Mitarbeiter sind genauso freundlich und hilfsbereit wie im alten historischen Archiv. Einziger Nachteil: Ich bekomme nur eine Auswahl der Jahrgänge.

Die Unterschiede zum alten Historischen Archiv mag jeder selbst aus der Beschreibung herauslesen.

Zurück zur Eingangsfrage. Nein, eigentlich brauche ich kein neues Archiv! Jedenfalls nicht jetzt und demnächst.

Auch als Kommentar auf:  archiv.twoday.net ex

Autor:gf | modifiziert am 25.07.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5250.html
26.05.2009

Als das „letzte“ Historische Archiv Köln noch nicht gebaut war...

Einen Flashback erlaubt historischesarchivkoeln.de: ein Foto von 1963 zeigt den noch leeren Standort an der Severinstraße.

Aufgenommen, um die in der Umsetzung befindliche Nord-Süd-Fahrt zu dokumentieren, ist zehn Jahre vor Fertigstellung des „letzten“ Archivbaus deutlich das Baugrundstück zu erkennen:

 www.historischesarchivkoeln.de ex

Am rechten Bildrand, an der Grenze zum unteren Drittel, geräumtes dunkles Grundstück mit Schild und einem parkenden Auto.

Auch auf  Archivalia ex

Autor:gf | modifiziert am 15.02.2010 | http://ebertplatz.de/artikel/5180.html
15.05.2009

Lohnt sich der Aufwand für 10 Prozent des Kölner Historischen Archivs?

Die Kölnische Rundschau berichtet von der Mitgliederversammlung der „Historischen Gesellschaft“ und zitiert Oberbürgermeister Schramma:

!= "Öffentlich teilte Schramma den Mitgliedern mit, dass mehr als 80 Prozent des Archivmaterials geborgen seien. Weitere zehn Prozent würden bis Juni aus dem Schutt geholt. Ob sich aber der Aufwand lohne, auch noch den Rest zu bergen, sei „Abwägungssache“. Die Entscheidung falle im Juni. Zuständig ist nach Auskunft des Presseamtes allein der Koordinierungsstab. Derzeit werde der technische Aufwand der weiteren Bergung abgeschätzt. Dabei geht es auch um unterirdisches Sicherungsbauwerk."

Die Zuständigkeit ist also Köln-untypisch schon geklärt. Der Eigentümer läßt den Koordinierungsstab entscheiden. 3 km Archivalien im Grundwasser für die Nachwelt: Historischer Baugrund!

 KR:„Millionen zahlen oder Wissen verlieren?“ ex
 KR: „Rettung lohnt“ ex

auch:  Archivalia ex

Autor:gf | modifiziert am 24.05.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5166.html
23.04.2009

Nachrichten aus dem Förderverein des Historischen Archivs

Heute fand die erste Mitgliederversammlung des Förderverein des Historischen Archivs Köln nach dem Einsturz statt. Neumitglied OB Schramma hatte einen Saal im Spanischen Bau zu Verfügung stellen lassen, der aber keine ausreichende Bestuhlung aufwies. So konnte die Versammlung erst mit Verzögerung vom Vorstand eröffnet werden.
Vor etwa 70 Mitgliedern - darunter auch Frau Dr. Kier, Herr Dr. Stehkämper, Frau Dr. Meynen und für die Depositare Frau Gruber - zeigte Frau Dr. Bettina Schmidt-Czaia zunächst den Vortrag über die Geschichte, Bestände des Archiv und den aktuellen Stand, den sie im Schnelldurchlauf bereits am Montag im Domforum vorgestellt hatte.
Zur Kooperation mit http://www.historischesarchivkoeln.de merkte sie an, das Projekt werde alsbald möglich vom HASTK übernommen. Zum immer wieder angesprochenen „Bürgerarchiv“ gab es keine neuen Vorstellungen. Die von Ihr dokumentierte Öffnung des Archiv vor dem Einsturz steht in einem gewissen Gegensatz zu den nur 65 Neumitgliedern des Vereins nach dem Einsturz. Zuvor stagnierte die Mitgliederzahl bei ca. 200.
Eine große Mehrheit beschloß, der Verein möge den Rat auffordern, dass noch in dieser Legislaturperiode über den Neubau entschieden werde. Preferierter Standort solle der Gereonshof sein. Aufgrund von Nachfragen wurde erläutert, dass das Archiv dort oberirdisch über Parkuntergeschossen gebaut würde.

Zum Abschluß wurden noch Bilder der Mitarbeiter vom Unglücksort gezeigt, so auch der Blick in den unversehrten Lesesaal und von diesem auf die Rückseite des Schuttberges.

Autor:gf | modifiziert am 23.04.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5123.html
03.04.2009

Stadt sucht Standorte für neues Historisches Archiv

Die Stadt hat eine Marktabfrage gestartet, um alternative Standorte in der Innenstadt für ein neues Historisches Archiv zu finden.

Die Stadt Köln hat über die bisher in Rede stehenden Standorte hinaus eine Marktabfrage für ein neues Historisches Archiv in Köln gestartet. Der neue Standort soll innerstädtisch sein und in einem Umkreis von circa zwei Kilometern um Dom und Hauptbahnhof befinden. Gesucht wird ein neuer Standort, bebaut oder unbebaut, der sich für den Neubau des Historischen Archivs eignet. Angeschrieben wurden jetzt neun große Maklerbüros. Die Koordination der Standortsuche liegt in den Händen der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln.

 „Stadt sucht Standorte für neues Historisches Archiv“ ex

Autor:gf | modifiziert am 07.04.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5079.html
27.03.2009

BDA-Montagsgespräch: „Historisches Archiv Köln - Eine Kölner Tragödie“

Der Bund Deutscher Architekten BDA Köln hatte am 23.03.2009 ins Domforum zum Montagsgespräch über den Einsturz des Historischen Archivs am 3.3.2009 eingeladen.

Das Podiumsgespräch stellte Fragen zum Verhältnis der Kölner Bürger zu ihrer Stadt, ihrer Kultur und ihrem Geist am tragischen Beispiel des Historischen Archivs an die Gäste: Gisela Capitain, Galeristin, Helge Malchow, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Dr. Manfred Osten, Schriftsteller, Prof. Dr. Stefan Polónyi, Tragwerksplaner, Andreas Rossmann, FAZ. Das Podiumsgespräch wurde vom Journalisten Jürgen Keimer moderiert.

Die Leiterin des Historischen Archivs Dr. Bettina Schmidt-Czaia hielt einen einleitenden Vortrag zur aktuellen Situation.

Der Chronist kam leider einige Minuten zu spät. Das Domforum war bereits wegen Überfüllung geschlossen.
Freundlicherweise hat Klaus Graf wp seinen Bericht ( im Original auf:  archiv.twoday.net: „Kölner Stadtarchiv: Auf dem Weg zum Bürgerarchiv?“ ex ) zur Verfügung gestellt. Der Bericht sowie die Kommentare von Klaus Graf sind im Folgenden vollständig wiedergegeben.

Kölner Stadtarchiv: Auf dem Weg zum Bürgerarchiv?

Das BDA-Montagsgespräch  www.arclife.de/arcguide/aktuell/301727.html ex zum Archiveinsturz war eine wirklich spannende Veranstaltung. Glücklicherweise wurde ich kurz vor Beginn noch eingelassen. Wie viele andere in dem überfüllten Domforum hatte ich keinen Sitzplatz, aber das war egal.

Da ich kein Smartphone/Blackberry habe und langsam und schlecht SMS schreibe, habe ich ganz traditionell mitgeschrieben und nicht live getwittert.

In ihrer Einführung "Die städtische Gemeinschaft nach der Katastrophe, Handlungsmaximen für Köln" gaben Prof. Bernd Kniess und Jörg Leeser, BDA Köln Stichworte für die folgende Podiumsdiskussion vor und sparten nicht mit drastischen Formulierungen. Der Einsturz sei keine Naturkatastrophe gewesen, aber nachträglich beobachte man ein unwürdiges Schauspiel, nämlich das Hin- und Herschieben des Schwarzen Peters, eine "organisierte Unverantwortlichkeit". In Köln regiere die Hemdsärmeligkeit, aber das "Kölner Grundgesetz" sei keine Lizenz zum Schludern. Die Bauaufsicht liege bei den bauausführenden Firmen, diese beaufsichtigten sich damit selbst. "Mit der Stadt geht's bergab".

Hochinteressant war angesichts der defizitären Kommunikationspolitik des Historischen Archivs der Stadt Köln nach dem Unglück das Powerpoint-Referat der Archivleiterin Schmidt-Czaia. Abgesehen vom Westfälischen Archivtag war ja so gut wie nichts an Informationen aus dem Archiv selbst an die Fachwelt gegeben worden. Wer nach den bisherigen Schilderungen ihres Auftretens nach dem Unglück erwartet hätte, eine zutiefst gebrochene Frau zu sehen, wurde erfreulich überrascht. Sie machte einen kompetenten und engagierten, ja fast optimistischen Eindruck.

Der Einsturz war die schlimmste Kultutragödie der Stadt, sagte sie. Der Mitarbeiterstab war tagelang traumatisiert. Von einer Minute auf die andere ging die gesamte Kommunikationsinfrastruktur verloren. Es standen für das Abrufen der ca. 1500 Mails pro Tag genau zwei Blackberrys zur Verfügung, ihr eigenes und das ihres Stellvertreters. [Kommentar: Ist es nicht erbärmlich, dass die Stadt Köln so lang gebraucht hat, dem Stadtarchiv eine normale Kommunikationsinfrastruktur zu spendieren und Hilfskräfte z.B. fürs Beantworten der ja auf dem städtischen Server einlaufenden Mails?]

Schmidt-Czaia lobte besonders die Feuerwehr, ihr könne man in Köln wirklich vertrauen. Der Bund habe hinsichtlich des THWs dankenswerterweise zugesagt, dass bis zum Ende der Bergung jede Woche ein frisches THW-Team zur Stelle sein werde.

Schmidt-Czaia gab einen Überblück über die verschiedenen Krisenstäbe, die sich mit der Bewältigung der Katastrophe befassen. Zur "Leitstelle Kulturdezernat" zählen auch alle Abteilungsleiter des Archivs. Einmal wöchentlich trifft sich die "Arbeitsgemeinschaft Fachliche Betreuung und Beratung", in der vor allem Vertreter der Landschaftsverbände, des Landesarchivs und der FH vertreten sind. Stadtintern versucht die "Ämter AG" unbürokratische Verwaltungsabläufe z.B. im Beschaffungswesen zu organisieren.

Die Bergung erfolgt derzeit an drei Bergungsstellen mit drei Bergungsmannschaften. Nur die Feuerwehr darf sich auf dem Schuttkegel bewegen. Archivare nehmen das gefundene Archivgut an, verpacken es und nehmen eine erste Notfallversorgung vor. Was gefriergetrocknet werden müsse, komme in ein Gefrierhaus der Fa. Westmilch. Dem Archiv stehen 3 Restauratorinnen (vor dem Unglück war es eine) zur Verfügung, zwei weitere Stellen sollen geschaffen werden.

Schmidt-Czaia bestätigte, dass man aus unzerstörten Archivräumen 40.000 der 65.000 Pergamenturkunden, die gesamte Dienstbibliothek und sämtliche Fotobestände habe bergen können.

Nachdem die vom Erzbistumsarchiv zur Verfügung gestellten Magazinflächen zur Neige gehen, wolle man eventuell beim Bundesarchiv in St. Augustin und in Brauweiler weiteres Archivgut lagern.

Zur Zukunft des Archivs führte Schmidt-Czaia aus (bzw. war der Präsentation zu entnehmen): An neuen Stellen sollen hinzukommen 2 Restauratoren, 2 Archivare, 1 Archivar gD (gehobener Dienst). Es soll weitere Räume in Deutz für das Archiv übergangsweise geben. Es wird ein externer Gutachter zur fachlichen Begleitung aller Maßnahmen bestellt werden. Sämtliche Findbücher sollen retrodigitalisiert und in eine interne Datenbank, die an allen Standorten für die Mitarbeiter zugänglich sein soll, eingebracht werden [Kommentar: wieso nur eine interne Datenbank, abgesehen von sensiblem Schriftgut - Weimar hat doch auch seine Schadensdatenbank ins Netz gestellt!].

Es sollen Verträge über die Lagerung und Restaurierung des Archivguts geschlossen, Kontakt mit Depositaren und Nachlassgebern aufgenommen werden.

Es gebe nun nicht weniger, sondern mehr Aufgaben, ja geradezu eine Wucht von Aufgaben, zumal schon erste Verwaltungsstellen sich wegen Aktenübernahmen gemeldet haben [Kommentar: Da kann man wirklich nur den Kopf schütteln - haben diese Verwaltungsstellen der Stadt Köln nicht für 5 Cent Verstand?]

Man werde viel retten und rekonstruieren können und daher gebe es keinerlei Abstriche am vor dem Einsturz angemeldeten Raumbedarf. Sie wolle das Archivgut künftig immer in ihrer Nähe wissen. Schmidt-Czaia betonte, man habe sechsmal täglich für Benutzer ausgehoben, bei einem Außenmagazin sei nur eine Aushebung pro Tag möglich. Ein Bürgerarchiv müsse in der Innenstadt sich befinden (Gereonshof?), nicht irgendwo am Stadtrand! Es fiel wieder das Stichwort "Bürgerarchiv", man wolle die pädagogische Bildungsarbeit stärken.

Wohl im Juni werde es ein Expertenhearing NRW geben, bei dem man vielleicht auch über angezeigte Änderungen im Archivgesetz reden werde.

Die vorbereiteten Ausstellungen z.B. zum Hebammenwesen wolle man auf jeden Fall zeigen.

Es soll ein provisorisches Historisches Archiv mit einer Hotline geben, wo man sich über das Archivgut erkundigen könne, und ein digitales Langzeitarchiv. Filme und Digitalisate sollen in einem temporären Lesesaal zur Verfügung stehen [Kommentar: wieso nicht im Internet?]

Es werde für ca. 5 Jahre ein temporäres Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum geben.

Wegen der Zusammensetzung von Schnipseln von Archivgut werde es Kontakte zum Fraunhofer-Institut geben [Ergänzender Hinweis:  archiv.twoday.net/stories/102770/ ex ]

Es werde auch einen virtuellen Lesesaal geben, aber der koste "irre viel Geld". [Kommentar: sie müsste sich doch nur an einen bereitstehenden Partner halten, siehe dazu unten]

Jährlich wird ein Kolloquium zu Archiv- und Restaurierungsfragen stattfinden.

Bis zum Archivtag 2012 wird hoffentlich der Neubau bereits teilweise fertiggestellt sein.

Die anschließende Podiumsdiskussion hatte eher einen kulturpolitischen Schwerpunkt, auch wenn das Archivgut verschiedentlich zur Sprache kam. Die souveräne Moderation von Jürgen Keimer fiel positiv auf.

FAZ-Korrpondent Andreas Rossmann beklagte die Geringschätzung der Geschichte in Köln in den vergangenen Jahren, der Einsturz sei die maßlose Strafe dafür.

Auch Galeristin Gisela Capitain, Mitverfasserin des offenen Briefs der Künstler an die Stadt [siehe  archiv.twoday.net/stories/5598012/ ex ] sah die Katastrophe als symbolhaft und symptomatisch für die verfehlte Kulturpolitik der Stadtverwaltung.

Verleger Helge Malchow (Verlag Kiepenheuer & Witsch) wollte nicht in das allgemeine Köln-Bashing einstimmen, wenngleich auch er von einer langen "Blutspur kultureller Peinlichkeiten" sprach. Sein Verlag sei bewusst in Köln geblieben und nicht nach Berlin gezogen, da es gelingen müsse, die deutschen Großstädte als Kulturmetropolen zu erhalten.

Am intensivsten setzte sich der Schriftsteller Dr. Manfred Osten, Autor von „Das geraubte Gedächtnis“, mit der Rolle des Archivs für die Stadt auseinander. Das Unglück sei eine der ganz großen Gedächtniskatastrophen. Als Paradox konstatierte er in Köln eine zunehmende Geschichtsvergessenheit trotz 2000 Jahren Geschichte. Auch Osten sparte nicht mit Kritik, wenn er sich auf Karl Valentin bezog, der einmal sagte: Alle Menschen sind klug, die einen vorher, die anderen nachher. Das gelte aber für die Kölner Funktionseliten nicht. Er wetterte gegen einen "Bologna-Prozess" ohne Herkunftskenntnisse und eine rein ökonomisch akzentuierte Fortschrittsdynamik, eine zur Ideologie geronnene Betriebswirtschaftslehre. "Es gilt das gebrochene Wort", weil man sich nicht mehr an Früheres erinnere.

Ein Außenseiter auf dem Podium war der Tragwerksplaner Prof. Dr. Stefan Polónyi. Er betonte, er hätte ein Bauverfahren mit Grundwassersenkung nicht zugelassen. Spätestens letzten Herbst hätte man die Brunnen abstellen müssen.

In einer zweiten Runde beklagte Malchow die tiefe Kluft zwischen den Kulturverwaltern in der Stadt und den kulturell Tätigen. Sein Verlagsarchiv sei Depositum (und nun im Schutt), aber bis vorgestern hätte es keinerlei Kontaktmöglichkeit mit dem Archiv gegeben. Man dürfe die Depositare und Nachlass-/Vorlassgeber nicht so allein lassen. Eine intensivere Informationspolitik sei dringlich. Ein Rücktritt (im Auge hatte er wohl den Oberbürgermeister) sei ein Zeichen der politischen Hygiene.

Polónyi sagte, die U-Bahn müsse fortgeführt werden, aber es müssten neue Strukturen her. Der Regierungspräsident, von dem man bisher nichts gehört habe, müsse sich einschalten [Kommentar: wer erinnert sich da nicht an den unvergessenen RP Antwerpes?]

Optimismus sei, bemerkte Osten mit Karl Kraus, Mangel an Informationen. Man müsse aber den Wert der Archive vermitteln z.B. auch an Schulklassen [Kommentar: Köln hat m.W. einen Archivpädagogen, aber nur auf halber Stelle]. Zentral sei die sinnliche Wahrnehmung, das Musische. "Sinnliches Ansehen führt zum Ansehen der Dinge".

Capitain beklagte erneut, wie wenig die Stadt den Standortfaktor Kultur begreife. In die gleiche Kerbe hieb Rossmann, gefragt, ob ein "weißer Ritter" in Sicht sei, der Köln aus dem Sumpf ziehen könne. Kultur werde im Kölner Stadtrat geringgeschätzt, auch wenn man sich mit einzelnen Events schmücke. Jemand sagte auch: Erstklassige Chefs holen sich erstklassige Mitarbeiter, zweitklassige Chefs holen sich drittklassige Mitarbeiter.

Auf die Frage der Bergungsdauer sagte Schmidt-Czaia, man komme schneller voran als gedacht. Sie rechne mit 6-9 Monaten. Diese solle man nutzen, unterstrich Polónyi, um eine ganz neue Organisationsstruktur für den U-Bahn-Bau zu etablieren.

Für die allgemeine Diskussion blieb - es war bereits 21 Uhr 20 - nur noch wenig Zeit, und es musste auf die vertiefende, diskursive Veranstaltung „BDA Montagsgespräch - nachgehakt“ am Mittwoch, den 25. März 2009 um 19:00 Uhr im Haus der Architektur Köln, Josef-Haubrich-Hof, 50676 Köln verwiesen werden.

Frau Kier warb für die Freunde des Historischen Archivs, das Archiv brauche jetzt Unterstützung. Das Archiv habe früher 70 Mitarbeiter gehabt, nun 30. Man müsse nun einige Millionen in die Hand nehmen und ihm qualifiziertes Personal verschaffen. Sie plädierte vehement dafür, das Archiv wieder im Gereonskloster unterzubringen. Für das Archiv gebe es aber nur Peanuts. Für das Archiv müsse ebenso viel Geld aufgewendet werden wie für die U-Bahn!

Christiane Haerlin, die knapp dem Inferno entkam und ihr fast fertiges Buch auf ihrem Laptop zurücklassen musste (und glücklicherweise wiederbekam), berichtete von einem bezeichnenden Detail auf der offiziellen Trauerfeier: Die Mitarbeiter des Archivs mussten auf hinteren Plätzen platznehmen, da vorne für Funktionäre der Stadt reserviert war.

Die Frage, ob man denn jemals gedacht habe, das Archiv zu evakuieren, verneinte Schmidt-Czaia. Sie habe sich eine solche Katastrophe überhaupt nicht vorstellen können.

Ein Diskutant prangerte an, der U-Bahn-Bau habe gegen die Haager Konvention zum Schutz der Kulturgüter verstoßen, da U-Bahnen auch militärisch nutzbar seien. Auf die Frage nach einem angeblichen NATO-Bunker unter dem Archiv stellte Schmidt-Czaia richtig, dabei habe es sich um einen in der Bauzeit vorgesehenen kleinen Atomschutzbunker gehandelt. Man habe sich wohl vorgestellt, dass sich dort der Archivleiter und sein Stellvertreter mit den 5-10 wichtigsten Urkunden zurückziehen könnten, um dann nach einem Atomschlag die Kölner Bevölkerung über die Geschichte zu belehren. In dem Bunker habe man das Porzer Stadtarchiv, das man habe übernehmen müssen (ca. 1 km Archivgut), gelagert.

Polónyi betonte, die Probleme des U-Bahnbaus seien beherrschbar. Er selbst hätte allerdings den Tunnel auch aus akkustischen Gründen noch tiefer gelegt. Die Philharmonie habe bei der KVB wegen akkustischer Auswirkungen angefragt, aber keine Antwort bekommen.

Jemand fragte nach der Initiative "Wir retten unser Stadtarchiv". Schmidt-Czaia betonte, der Initiator M. Gahn, den sie noch nicht habe kennenlernen können, verdiene allerhöchsten Dank. Leider könne man die hilfsbereiten Bürger nicht alle gleichzeitig einladen, zumal auch sofort fachliche Restaurierungsentscheidungen getroffen werden müssten. Man solle sich lieber den Freunden des Historischen Archivs anschließen (35 Euro Jahresbeitrag), die jährlich zwei Mitgliederversammlungen veranstalten würden.

KOMMENTAR:

An dieser Stelle hätte ich dann doch noch gern etwas gesagt, aber die Diskussionszeit war um. Wie kann man ernsthaft einen so absolut verschnarchten Club empfehlen, der keinerlei attraktiven Internetauftritt hat und dessen Internetauftritt bis vor kurzem mit keiner Silbe auf die Katstrophe einging:

 www.freunde-des-historischen-archivs.de/ ex

Was da jetzt inzwischen zu lesen ist, ist wirklich eine Frechheit. Ein paar dürre Sätze und die Aufforderung, sich den Flyer als PDF herunterzuladen. Keine Links zu weiterführenden Informationen im Internet, wie sie z.B.

 www.historischesarchivkoeln.de ex

bietet.

Nachdem gestern Abend so viel von der Zukunft des Archivs die Rede war, soll nicht verschwiegen werden, was mir in den Tagen nach dem Unglück unangenehm aufgestoßen ist.

Das Archiv pflegte und pflegt - auch nachdem die erste Trauma-Phase vorüber war - eine völlig unangemessene Informationspolitik (und ließ übrigens auch die Pressestelle der Stadt hängen).

Das Internet - einschließlich Archivalia - wurde vom Archiv nicht genutzt, um die berechtigten Informationsbedürfnisse der Kolleginnen und Kollegen zu befriedigen. Auch ich kam nur spärlich an Informationen heran.

Dann wurde ein Weblog ins Leben gerufen und nach wenigen Tagen wieder abgeschaltet, weil es angeblich nicht autorisiert war - was soll der Mist?, kann man da nur fragen:

 archiv.twoday.net/stories/5591291/ ex  archiv.twoday.net/stories/5578864/#5598286 ex

Es ist doch absolut kontraproduktiv, einen solchen Draht zur "Außenwelt", der bewiesen hat, dass Web 2.0 in Gestalt der Gattung Weblog wenigstens in homöopathischer Dosis an den Riechorganen der Stadtarchivare vorbeigerauscht ist, wieder zu kappen.

Wieso hat man nicht ein Weblog oder eine Internetseite etabliert, mit der man Stimmung für die Aufbauarbeit hätte machen können - durch seriöse umfangreiche tägliche Meldungen, wie wir sie hier versucht haben? Es hätte doch vielleicht unter den 1600 Freiwilligen von Mike Gahn sicher auch ein paar Internetfreaks gegeben, die so etwas mit Zulieferung und nach den Vorgaben des Archivs hätten professionell realisieren können. Das Archiv hätte trotzdem die Fäden in der Hand behalten.

Auf meine Vorstellungen zu einem "Bürgerarchiv" und der unglücklichen Bildrechteäußerung von Schmidt-Czaia sei nur per Link verwiesen:

 archiv.twoday.net/search?q=bürgerarchiv ex
 archiv.twoday.net/stories/5584413/ ex
 archiv.twoday.net/stories/5587193/ ex
 archiv.twoday.net/search?q=bildrechte ex

Es muss auch ganz klar gesagt werden, dass die Tatsache, dass Schmidt-Czaia mit keiner Silbe

 www.historischesarchivkoeln.de ex

erwähnt hat (erinnert sei auch an die extrem irritierende angebliche Beauftragung des Münsteraner Instituts für Städtegeschichte http://archiv.twoday.net/stories/5593600/ ), darauf deutet, dass die Direktorin immer noch nicht begriffen hat, welcher grandiose strategische Partner dieses Projekt für ihre Zukunftsplanungen bedeuten könnte. Dieses Projekt Digitales Historisches Archiv wird unterstützt von den großen Historikerverbänden (Historiker, Kunsthistoriker), dem Berufsverband der Archivarinnen und Archivare VdA usw. Dieses Archiv soll doch FÜR das Historische Archiv realisiert werden und nicht GEGEN es. Voraussetzung ist freilich, dass es Open Access bleibt, dass sich die Stadt Köln von ihrer kleinlichen Abzocke-Mentalität löst, für die ich gerade gestern ein aktuelles Beispiel erfahren habe (ich werde gesondert darüber berichten).

Was vom HAStK während der Restaurierungsarbeiten digitalisiert wird, muss, wenn es öffentlich präsentabel ist (also in der Regel vor 1900 entstanden) in dieses Projekt eingestellt werden und nicht in einen virtuellen Lesesaal, den man womöglich gegen Eintrittsgebühr persönlich in Köln aufsuchen muss.

Das Archiv muss ein digitales Bündnis mit der Öffentlichkeit schließen, sonst wird das Bürgerarchiv nur eine öde volkspädagogische Veranstaltung, bei der das Volk nach dem Muster geriatrischer Geschichtsvereine und Flachware-Präsentationen ("archivische Ausstellung") abgefertigt wird. Hier den Eintritt in den Freundesverein zu empfehlen, ist reiner Hohn.

Köln braucht ein Archiv zum Mitmachen und das heisst heute eben weitgehend auch: Web 2.0. Auch virtuelle Netze führen zu persönlicher nicht-virtueller Interaktion.

Wieso nicht die Freiwilligen von Mike Gahn zu einer Ideenwerkstatt Bürgerarchiv aufrufen? Was erwartet ihr von einem Bürgerarchiv? Was wären eure Wünsche an ein Bürgerarchiv? In welcher Weise könntet ihr euch ehrenamtlich einbringen?

Denn neben der katastrophalen Informationspolitik ist das mein zweiter gravierender Vorwurf an das Archiv: Man hat die Bürgerinnen und Bürger von "Wir retten unser Stadtarchiv" nicht in angemessener Weise einbezogen.

Man sehe dazu die News auf
 www.koelner-stadtarchiv.de/ ex
und die Stellungnahme von Gahn hier:
 archiv.twoday.net/stories/5581498/#5590837 ex

Ich habe hinreichend viele Telefonate und Gespräche zum Thema EVZ geführt, um vertreten zu können, dass es ohne weiteres möglich wäre, vertrauenswürdige externe Helfer ohne Fachkenntnisse einzusetzen. Dass die anfänglichen "Trümmerfrauenvorstellungen" illusorisch sind, dürfte inzwischen fast allen 1600 potentiellen Helfern klar sein. man kann mir nicht erzählen, dass es keine hinreichenden Möglichkeiten gegeben hätte, die Freiwilligen durch entsprechenden Events "bei Laune zu halten", z.B. indem man ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben hätte in irgendeiner Weise mitzuarbeiten - ob beim Sortieren oder anderweitig. Die Stadt Köln hätte einen Community-Beauftragten/Archivpädagogen für diese Initiative einstellen können, dessen Aufgabe Kommunikation gewesen wäre. Indem man etwa eine Informationsveranstaltung für die Helferinnen und Helfer angeboten hätte. Man hätte - siehe oben "Ideenwerkstatt" - diese engagierten Bürgerinnen und Bürger auch in anderer Weise einsetzen können als im EVZ oder in der Severinstraße.

Es gäbe viele Ideen für ein Mitmach-Archiv, bei dem Bürgerinnen und Bürger ihre Solidarität für das Archiv zum Ausdruck bringen könnten. Aber das ist wohl (noch) nicht gewollt. Was man stattdessen kommuniziert ist ein Archiv von oben herab, das als einzige Partizipationsmöglichkeit die verkalkte Struktur eines honoratiorenverseuchten Fördervereins anbietet. Damit erweist man sich der Krise, die ja immer auch eine Chance ist, nicht wirklich gewachsen.

Klaus Graf

Autor:gf | modifiziert am 31.03.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5069.html
08.03.2009

Die Sprachlosigkeit der Kölner Politik im Internet

Bei der Berichterstattung über den Einsturz des Kölner Historischen Archiv fällt auf, dass sich die politische Klasse Kölns nicht zeigt. Kein Fraktionsvorsitzender, kein Kulturpolitiker. Wie sieht die Reaktion der Kölner Parteien im Internet aus?

Der Chronist besuchte am sechsten Tag nach Unglück die Webseiten der Kölner Parteien. Das Ergebnis ist erschreckend und lässt für die zukünftige politische Unterstützung des Archivs Schlimmstes befürchten!

Startseite der CDU Köln - ebertplatz.de

Erster Besuch:
Die CDU Kölns stellt den Oberbürgermeister, der in seinem Nach-Karnevalsurlaub gestört die Stadt vor der Weltpresse in Freizeitkleidung repräsentiert. Aber was macht seine Partei? Immerhin verweist der Vorsitzende der Kölner CDU auf das Spendenkonto der Stadt für die direkt Betroffenen und das Konto der Freunde des hist. Archivs. Einen Gag hat man noch auf Lager: Die CDU möchte helfen alte DM-Scheine für diesen Hilfszweck einzusetzen. Sie erinnern sich? Noch zu DM-Zeiten hätte der Neubau des historischen Archivs in Angriff genommen werden müssen. Aber damals war die Bewerbung für die Kulturhauptstadt und Fußball-WM wichtiger. Ein tiefsinniger Gag also.

Startseite der SPD Köln - ebertplatz.de

Zweiter Besuch:
Die SPD Kölns stellt den aussichtsreichsten Oberbürgermeister-Gegenkandidaten. Der Kandidat war früh am Unglücksort und hat eine umfassende Erklärung ins Internet gestellt. Allerdings ist die Überschrift im Verhältnis zum Anlass eine eher peinliche politische Replik auf die ersten Äußerungen des Oberbürgermeisters.

Startseite der Grüne Köln - ebertplatz.de

Dritter Besuch:
Die Grünen Kölns unterstützen den Oberbürgermeister-Gegenkandidaten. Erst auf dem zweiten Blick findet sich eine Stellungnahme der Kölner Abgeordneten im Landtag, Andrea Asch. Frau Asch beschäftigt sich mit der Sicherheit der Baumaßnahmen und die Information der Bevölkerung. Der Oberbürgermeister solle "alle Bürgerinnen und Bürger aufzufordern, gemeinsam an der Rettung der wertvollen Archivbestände zu arbeiten. Viele Kölnerinnen und Kölner sind dazu bereit und hoch motiviert.". Liest sich so, als seien darunter keine Grünen, denn die lokalen Grünen scheint das Geschehen nicht zu beschäftigen.

Startseite der FDP Köln - ebertplatz.de

Vierter Besuch:
Die FDP Kölns stellt einen eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten. Die einzige Reaktion auf das Unglück ist oben rechts der Verweis auf eine Stellungnahme des stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Werner Hoyer.
Dr. Hoyer fordert die Unterstützung des Bundes für den drohenden Verlust " von nationaler und europäischer Dimension.". Die eigenen Parteifreunde vor Ort haben dazu nichts zu sagen.

 www.cdu-koeln.de ex
 www.koelnspd.de ex
 www.gruenekoeln.de ex
 www.fdp-koeln.de ex

Autor:gf | modifiziert am 12.03.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5033.html
05.03.2009

Hilfe FÜR DAS HISTORISCHE ARCHIV DER STADT KÖLN

Da zur Zeit auch eher fragwürdige Initiativen in den Medien genannt werden, möchte der Chronist hier auf den Verein der Freunde des Historischen Archivs, dessen Mitglied er ist, verweisen. Dazu im Wortlaut hier die gemeinsame Erklärung zahlreicher Kölner Vereine und Initativen:

RETTUNGSAKTION FÜR DAS HISTORISCHE ARCHIV DER STADT KÖLN

Köln, 4. März 2009

Gemeinsame Erklärung

Das Historische Archiv der Stadt Köln liegt in Trümmern. In diesen Stunden stehen die Bergung der Vermissten und die rasche Genesung aller Verletzten dieses Unglücks im Vordergrund.
Priorität müssen sodann die Rettungsmaßnahmen für die unwiederbringlichen Archivalien dieses größten und wichtigsten Archivs nördlich der Alpen haben. Die einzigartigen Kunstschätze, Urkunden und sonstigen Dokumente sind uns von den vorangegangenen Generationen überantwortet worden und erfordern nun außergewöhnliche Hilfe.
Zusammen mit den Fachleuten des Archivwesens und den Historikern, Kunsthistorikern, Liturgiehistorikern, Theologen und sonstigen Wissenschaftlern, Bibliothekaren, Schriftstellern und Künstlern, Denkmalpflegern, Architekten und Städtebauern in Köln fordern wir die Stadt Köln auf, ohne Verzug durch die Errichtung eines wirksamen Schutzes über den Trümmern die noch auffindbaren Archivalien zu sichern und so zügig wie möglich zu bergen. Zugleich bitten wir darum, die Stadt Köln seitens des Landes und des Bundes zu unterstützen und so rasch wie möglich Mittel für ein umfassendes und sachkundiges Such- und Restaurierungsvorhaben zuzusagen und auch zeitnah bereitzustellen.
Mit den Bürgern der Stadt Köln in großer Sorge um die historischen Schätze unserer Stadt:

Freunde des historischen Archivs der Stadt Köln
AFR Architektur Forum Rheinland
Aktionsbündnis Stadtbaukultur
Bund Deutscher Architekten BDA Köln
Dekanat Köln-Mitte
DWB Deutscher Werkbund NW
Dombauarchiv
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek
Förderverein Geschichte in Köln/Zeitschrift „Geschichte in Köln“
Förderverein Romanischer Kirchen
Freunde der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln
Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde
Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der jüdischen Kultur in Köln
haus der architektur köln hdak
Historische Gesellschaft Köln
Historischer Verein für den Niederrhein
Historisches Archiv des Erzbistums Köln
IHK – Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv
Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln, Abteilung Architekturgeschichte
Kölner Haus und Grundbesitzerverein von 1888
Kölnischer Geschichtsverein
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz RVDL
Verein zur Förderung von Architektur und Städtebau

Um Spenden wird gebeten:

Spendenkonto: FREUNDE DES HISTORISCHEN ARCHIVS DER STADT KÖLN
Konto-Nr. 19004589 59
BLZ 37050198 bei der Sparkasse KölnBonn
Stichwort: Rettung Historisches Stadtarchiv

Per Adresse: Historische Gesellschaft Köln, Postfach 10 22 51, 50462 Köln, Telefon 0221 5102604, Telefax 0221 5736-203 - E-Mail: sekretariat@koelner-hausundgrund.de

Der Aufruf ist als PDF-Dokument auch im Internet verfügbar:  hdak090304Historisches-Archiv.pdf ex

Autor:gf | modifiziert am 05.03.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5029.html
03.03.2009

Unfaßbar! Das historische Archiv ist eingestürzt!

Heute um 14 Uhr ist das Gebäude des Historische Stadtarchiv in der Severinstraße eingestürzt und hat unschätzbare Werte unter sich begraben.

Was der Bombenkrieg des 2. Weltkriegs nicht geschafft hat, zu Friedenszeiten ist es passiert: 65.000 Urkunden, 104.000 Karten und eine halbe Million Fotos sind beschädigt oder unrettbar zerstört.

Informationen zur Wertschätzung des Archivs und die Rettungsarbeiten auf  archiv.twoday.net ex

Der Chronist hat schon viele Stunden im Lesesaal des Archiv verbracht. Die Vorstellung aus dieser konzentrierten Stille herausgetrieben zu werden und den Einsturz mitzuerleben, ist immer noch unfaßbar!

Für 5 Jahre werden auch unbeschädigte Archivalien nicht einsehbar sein, weil das Archiv erstmal wieder ein neues Haus braucht. Vieles wird verloren sein, anderes Jahrzehnte für die Zuordnung und Restaurierung benötigen.
Damit sind auch die Pläne des Chronisten betroffen: Zur Entwicklung der Eisenbahn vom Bahnhof am Thürmchen bis zum Centralbahnhof, zum Sicherheitshafen, der Neustadtentwicklung, des Deutschen Ring und vieles Andere wird jahrelang keine Quellenrecherche möglich sein!

Autor:gf | modifiziert am 03.05.2009 | http://ebertplatz.de/artikel/5028.html
25.10.2008

Visionen von Köln aus dem Jahr 1958

Die Serie „Köln im Jahre 2008“ versuchte 50 Jahre vorzugreifen. Mondbesiedlung, Allwegbahn und der Hubschrauber als Verkehrsmittel sollten 2008 selbstverständlich sein.

 Visionen von Köln aus dem Jahr 1958 ex
 Auftakt „Köln im Jahre 2008“ ex
 Die Mond-Rakete ist gelandet ex

Autor:gf | modifiziert am 01.11.2008 | http://ebertplatz.de/artikel/4810.html
05.09.2008

Führungen zum „Tag des offenen Denkmals 2008“ am 14.9.2008

Deutscher Ring - die Vollendung der Ringstraße

Der Deutsche Ring um 1900. Im Vordergrund der heutige Ebertplatz, hinten links die Einmündung Riehler Straße. - © G. Franke

Der Deutsche Ring um 1900. Im Vordergrund der heutige Ebertplatz, hinten links die Einmündung Riehler Straße. © G. Franke

Dem Deutschen Ring als letztem realisiertem Abschnitt der von Stadtbaurat H.J. Stübben geplanten Ringstraße kam besondere Bedeutung zu. Die großzügige Gestaltung als Abfolge von drei unterschiedlichen Parkanlagen verzögerte sich durch zahlreiche Probleme, wie etwa die "Hafenfrage" oder den notwendigen Erwerb der Kunibertsbastion durch die Stadt. Die von Gartendirektor A. Kowallek ausgeführten Grünanlagen wurden von seinem Nachfolger Fritz Encke mit einem Kinderspielplatz ergänzt. Ein Denkmal von Friedrich III. bildete den würdigen Abschluß zum Rhein, bis Riphahn mit dem Restaurant "Bastei" einen neuen zeitgemäßen Akzent setzte. Die Kriegsfolgen waren nicht gravierend wie der Einschnitt durch die Nord-Süd-Fahrt und in ihrer Folge die Neugestaltung des westlichen Platzes (Ebertplatz).

Führungen 10 und 17.30 Uhr durch Gerd Franke
Treffpunkt: Theodor-Heuss-Ring am 'Lottobrunnen' zwischen Weiher und Clever Straße

Spuren untergegangener Klöster, Kirchen und Kapellen im Pfarrsprengel von St. Kunibert

Die untergangenen Kirchen der Machabäer und Johann-Cordula in der Stadtansicht von Woensam. - © G. Franke

Die untergangenen Kirchen der Machabäer und Johann-Cordula in der Stadtansicht von Woensam. © G. Franke

Mit Einbeziehung des nördlichen Stadtteils Niederich beginnend mit der ersten Stadterweiterung entwickelt sich zwischen Eigelstein und Johannisstraße eine Vielfalt von Kirchenbauten. Die Stadtansicht von Woensam zeigt große Kirchenbauten, von denen nur noch St. Kunibert besteht. Die Aufhebung der Klöster und Stifte während der französischen Besetzung führte bis in die preußische Zeit zur Umnutzung der Gebäude oder Gelände. Die Anlage des Bahnhofs und Nord-Süd-Fahrt nach dem zweiten Weltkrieg verwischten viel Spuren. Heute lassen sich bedeutende Kunstwerke der untergegangenen Kirchen und Klöster in Kirchen und Museen wiederfinden.

Führung 12.30 Uhr (ca. 1,5 Std.) durch Gerd Franke
Treffpunkt: Kunibertsklostergasse 2, vor dem Westturm von St. Kunibert, Köln Altstadt/Nord

Autor:gf | modifiziert am 07.09.2008 | http://ebertplatz.de/artikel/4716.html
07.08.2008

Erinnerung an den Geburtstag von Joachim Ringelnatz vor 125 Jahren

Vor 125 Jahren am 7. August 1883 wird bei Leipzig Hans Gustav Bötticher geboren. Seit 1919 schreibt, dichtet und malt er unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz wp.

In den späten zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts besucht Ringelnatz mehrfach Köln und ist von der 1924 fertiggestellten Bastei Wilhelm Riphahn wp so eingenommen, dass er sie in zwei Gedichten erwähnt. Auch wenn „KÖLN VON DER BASTEI GESEHEN“ des Chronisten Liebling ist, soll hier das unbekanntere Gedicht  „Nach kurzer Fahrt getrennt“ ex wiedergegeben werden.
Ringelnatz stirbt am 17. November 1934 in Berlin.

Nach kurzer Fahrt getrennt

Es reimt sich was,
Und es schleimt sich was,
In den Austern im Kölner September.
Ich sitze - und niemand sonst ist dabei -
Vor blinkenden Lichtern in der Bastei,
And I remember.

Heute wird nicht gegeizt,
Wird mit Champagner geheizt,
Für dich söffe ich Tinte.
Paris ist nicht weit von hier.
Könnten wir! - Wollen wir
Uns dort treffen, Lobintte??

Autor:gf | modifiziert am 07.08.2008 | http://ebertplatz.de/artikel/4666.html